Karma
Dieses Thema ist essenziell, weshalb ich es auch gewählt habe. Auslöser war die Aussage meines inneren geistigen Lehrers vor einigen Jahren, der auf einen Gedankengang von mir einging. Ich hatte gerade wieder eine brenzlige Situation erlebt und konnte mich nicht wehren, die Umstände ließen es einfach nicht zu. Da dachte ich, wie ich meinte, recht ruhig, dass dann eben Karma alles regeln müsse!
Seine unerwartete Antwort auf meine Gedanken war sehr (!) ernst und lautete wie folgt:
„Du solltest niemals jemandem sein Karma wünschen!“
Spätere Gedanken ergänzten diese Ausrichtung mit dem Hinweis, dass man spätere Wiedergutmachungsversuche immer zulassen oder zumindest würdigen sollte, damit Karma abgemildert werden kann.
Das wäre tatsächlich Liebe in Aktion, denn der Bestrafungsgedanke entstammt dem Hass und steht dem spirituellen Weg störend im Wege.
Vergebung ist eine Kardinaltugend, die man auf dem spirituellen Weg unbedingt benötigt, und es gilt als Grundlage jeglichen Fortschritts, wenn man die Fähigkeit erworben hat, wirklich vergeben zu können, ohne die Tat damit zu bagatellisieren oder wegzuerklären.
Vergebung bedeutet, von Rache- und Vergeltungswünschen („das wird dein Karma dann schon erledigen“) Abstand nehmen zu können, und man die eigene Verantwortung im Geschehen übernimmt oder karmische Schicksalseinwirkungen anerkennt, um loslassen und die Situation/den Menschen freilassen zu können.
Das ist besonders wichtig und nützlich im Hinblick auf vergangene Ereignisse, die man ohnehin nicht mehr ändern kann.
Wenn man vergibt, heilt man hauptsächlich sich selbst. Denn man ist nicht mehr beschäftigt mit dem negativen Vorfall, dem entsprechenden Menschen und der Situation an sich. Bestenfalls konnte man auch noch eigene Fehler erkennen, aus der Situation lernen und so den Frieden vertiefen und dem Leben eine bessere Wendung verleihen. Dadurch schüttet man keine negativen Energien mehr aus, und der Körper und das Nervensystem können sich entspannen und heilen. Dadurch wird es möglich, die Zukunft unbelastet neu zu gestalten.
Meistens betrifft das Vergebenkönnen vergangene Ereignisse, die weit zurückliegen, und Ereignisse, die man nicht mehr verändern kann.
Doch in der Gegenwart sieht das ganz anders aus! Dort ist Vergebung ein aktiver Prozess, der mit Hinnahme und Duldung des Falschen und Bösen rein gar nichts zu tun hat. Sie ist zwar einerseits mit Akzeptanz und der Bereitschaft, die Ereignisse als Lernthema zu sehen, verbunden, andererseits aber auch mit der Bereitschaft, die erforderlichen Schritte einzuleiten und Konsequenzen zu ziehen. Oder, im Falle, dass man sich selbst vergeben muss, aktive Wiedergutmachung einzuleiten, da es sonst kaum möglich sein wird.
Einmal ist sie eine rein passive Vorgehensweise (Situation liegt in der Vergangenheit), ein anderes Mal eine aktive Handlung (die Situation befindet sich aktiv in der Gegenwart).
Doch wird diese Unterscheidung in den seltensten Fällen berücksichtigt.
Denn es sieht im allgemeinen Verständnis so aus, dass Vergebung automatisch ohne Folgen für das Gegenüber sein muss. Was im Hinblick auf die Vergangenheit vielleicht gut und richtig ist, um loslassen zu können, wäre in der Gegenwart schlichtweg lebensgefährlich und falsch.
Ich denke da an die Ehefrau, die regelmäßig geschlagen wird von ihrem Mann und ihm jedes Mal wieder vergibt, ohne dass es Folgen hat für ihn. Bis es vielleicht eines Tages ganz schlimm endet.
Zwar sagt die Bibel, dass man die andere Wange auch noch hinhalten solle, wenn jemand darauf schlägt. Doch im Sinne des karmischen Gesetzes und seiner Auswirkungen steht diese Aussage dazu in einem vermeintlichen Widerspruch! Denn wer keine Konsequenzen zieht, macht sich des Karmas mitschuldig, das den anderen in absehbarer Zeit treffen wird, was zu einer karmischen Dauerschleife führt. Also ist die andere Wange der Bibel die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und den besten Verlauf aus der Situation zu erschaffen, und auf Rache und Nachrede zu verzichten. Dann passt es wieder!
Eine spirituelle Zwickmühle also, denn Handlungen müssen Folgen haben, auf die eine oder andere Weise, also entweder durch einen selbst oder eben durch automatisch wirkendes Karma.
Ein wirklich wichtiges Thema!
Auf das Thema Vergebung gehe ich in einem gesonderten Text noch ausführlicher ein: Warum Vergebung so wichtig ist (Leseauszug aus dem Buch KANAL-SEIN).
